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Die Geschichte:

100 Jahre selbstständige evangelische Pfarrgemeinde Leoben

I. Bis zur Gründung der Evangelischen Pfarrgemeinde Leoben am 26. Mai 1902

Nach Luthers Thesenanschlag im Jahre 1517 setzte sich die Reformation auch in den österreichischen Landen sehr schnell durch. Im Jahre 1528 predigte in Leoben der Kaplan von der Johanniskirche, wo jetzt die Stadtpfarrkirche St. Xaver steht, nach lutherischer Weise. 1560 war der Großteil des österreichischen Adels protestantisch. 1563 wurde der erste evangelische Geistliche, der lutherische Prädikant Franz Schonkle, von Leoben vertrieben. Im Jahre 1581 bekannten sich zwei Drittel der Bürgerschaft von Leoben zur lutherischen Lehre.

Doch schon vor der Wende zum 17. Jahrhundert begann in Innerösterreich die Gegenreformation. Ein von der Regierung mit 10. Dezember 1580 erlassenes Dekret verbot in der Steiermark die Ausübung der evangelischen Religion in den Städten und Märkten.

Die Religionsordnung Kaiser Ferdinands II. von 1598 brachte das endgültige Aus für die evangelische Religionsgemeinschaft. Am 14. Oktober 1599 begann die Reformationskommission in Leoben ihr Werk. Ihr Ziel war die Rekatholisierung der Bevölkerung und die Ablieferung bzw. Vernichtung evangelischer Bücher. Wer weiterhin an seiner evangelischen Konfession festzuhalten gedachte, wurde des Landes verwiesen bzw. wurde ihm die Auswanderung nahegelegt. Unmittelbare Konsequenzen dieser Haltung waren der Abriss von lutherischen Kapellen und Kirchen, die Schleifung evangelischer Friedhöfe sowie die Öffnung und die meist darauf folgende Schändung der protestantischen Gräber. In Leoben allein wurden angeblich 12.000 Bücher vernichtet. Der Widerstand der Bergknappen in Eisenerz wurde mit Gewalt gebrochen. Dieses Vorgehen fand durch den Einzug der Jesuiten in Leoben im Jahre 1613 seine Fortsetzung (Bau der St. Xaverkirche). In den beiden Jahren 1599 und 1600 sind aus der Steiermark etwa 2500 Evangelische abgewandert. Freilich war der evangelische Glaube dadurch nicht ausgestorben, denn im Verborgenen wurde er noch immer bekannt.

Bild Joseph II. Eine sichtbare Erholung und Entspannung der Beziehungen zwischen Katholiken und Evangelischen brachte erst die Regierungszeit

Kaiser Josephs II.

In seinem Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781 verfügte und gewährleistete er die (formelle) Gleichstellung aller Konfessionen in der Monarchie, wobei die nicht-katholischen Konfessionen so ruhig und unauffällig wie irgend möglich gepflegt werden durften.

1782 wurden die evangelischen Pfarren Ramsau und Schladming gegründet. 1794 wurde Wald am Schoberpaß eine selbstständige Pfarrgemeinde, zu der auch Leoben gehörte.

Erst 1839, anlässlich der Beerdigung des evangelischen Baumeisters Pissel, hörte man in Leoben wieder von Evangelischen.

Nach der Verfolgungszeit kümmerte sich der Forstbeamte Albert Dommes um evangelische Holzknechte, die aus der Gosau stammten und sich bei Göss angesiedelt hatten. Am 29. März 1861 wurde in der Wohnung des Forstbeamten Dommes im Stift Göss durch Senior Heinrich Johann Gottfried Kotschy (1822 bis 1905) aus Wald am Schoberpaß der erste evangelische Karfreitagsgottesdienst in Leoben abgehalten.

Kotschy wirkte seit 1847 in Wald und wurde zu einer Galionsfigur der evangelischen Kirche in der Steiermark. Er war über 57 Jahre in seiner Gemeinde tätig und starb nach seiner Pensionierung im Februar 1905 am 27. September desselben Jahres.

Durch das Protestantenpatent Kaiser Franz Josephs I. vom 8. April 1861 erfolgte die vollständige bürgerliche und vor allem rechtliche Gleichstellung der evangelischen mit den katholischen Untertanen der Monarchie.

Am 15. Oktober 1899 stellte der Predigtstationsausschuss Leoben das Ansuchen an das Presbyterium in Wald, die Predigtstation Leoben in eine Tochtergemeinde von Wald umzuwandeln. Das künftige Gemeindegebiet reichte um 1900 von Hieflau bis Murau und zählte etwa 200 Gemeindemitglieder.

Aufgrund der allgemeinen Verselbstständigungstendenz wurde per Erlass des k.k. evangelischen Oberkirchenrates am 26. Mai 1902 die Predigtstation Leoben zur evangelischen Pfarrgemeinde erhoben.


Autoren: Mag. Peter Kneissl, Mag. Johannes Hülser, Dr. Alfred Moser und Mag. Hermann Miklas

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