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ABC für Christen

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Moral

Der Begriff Moral wird hergeleitet von dem lateinischen Wort mos, moris und bedeutet soviel wie Sitte, Gewohnheit, Brauch, Regel, später auch Charakter, Lebenswandel, Betragen. Wir verstehen unter Moral die Summe aller Handlungsweisen, die in einer bestimmten Gegend und gesellschaftlichen Umwelt als selbstverständlich gelten. Das bedeutet, dass bei uns etwas als moralisch einwandfrei gelten kann, was anderswo als unmoralisch angesehen wird. So gilt z. B. in der Republik Südafrika die Apartheid unter vielen Weißen als eine moralische Verhaltensweise, überall sonst in der Welt wird sie dagegen als extrem unmoralisch angesehen.
Auch im Fortgang der Geschichte änderte sich die Moralauffassung beträchtlich. Es gab Zeiten, in denen der Kauf, Besitz und Verkauf von Sklaven als ebenso moralisch angesehen wurde, wie jeder andere Handelszweig. Und in der Bibel wie in der Erklärung Martin Luthers erscheinen im 10. Gebot Menschen noch als „Gegenstand“ neben dem Haus und dem Vieh. Und das empfand man als moralisch unanstößig.

Durch falsches Verständnis der Zehn Gebote und eine sachlich unangemessene Auslegung einiger Gebote geriet der Begriff Moral in Misskredit. Die Kirche wurde als Größe verstanden, die immer dann, wenn das Leben Spaß zu machen versprach, den „moralischen Zeigefinger“ erhob. So gab es lange Zeit Gruppen in der Kirche, in denen der Besuch von Theater und Kino und besonders von Tanzveranstaltungen jeglicher Art verpönt war. Auch Rauchen und Trinken von alkoholischen Getränken galten als unmoralisch. Mit dem „moralischen Zeigefinger“ wurde vor allem im Bereich des Verhältnisses von Jungen und Mädchen gedroht, im Bereich der Erotik und besonders der Sexualität. Dadurch hat das Wort Moral einen Nebenklang in dieser Richtung bekommen, und viele möchten es am liebsten gar nicht mehr verwenden.

Tatsächlich kommt es darauf an, dass der Begriff Moral wieder neu gefüllt wird; denn wir leben in einer Zeit des Umbruchs im Denken und Handeln der Menschheit. Was für die einen noch moralisch unbedenklich ist, ist für andere schon unmoralisch und unerträglich.

Autofahren nach Lust und Laune, Abbrennen von Wiesen und Gartenresten, Wegwerfen von Küchenabfällen und Glasgefäßen, von Metall, Papier und Stoffen, großzügiger Verbrauch von Wasser, Säuglinge in Krippen unterzubringen ohne konkreten Notzustand, Ehescheidung zu Lasten der Kinder, Besorgen von allem, was in Geschäften nicht zu kaufen ist, maßlose Preisforderungen bei handwerklicher Hilfeleistung usw. gelten für viele als moralisch einwandfrei, unanstößig und selbstverständlich. Die anderen sehen nicht nur ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse, ihre Rechte und Ansprüche. Sie sehen die großen Probleme der Welt, die uns alle unmittelbar herausfordern: Verschwendung von Energie, größer werdender Mangel an Rohstoffen, unübersehbare Müllberge, Verantwortung für die kommenden Generationen, Schädigung der Kinder im frühkindlichen Lebensalter, Leiden der Kinder in zerstörten Familien, zunehmender Hunger und Armut in anderen Teilen der Welt. Und sie sehen nur das als moralisch an, was dieser Lage Rechnung trägt.

Für Christen gelten Handlungsweisen, die aus dem Leben Jesu abgelesen werden können. Danach ist alles moralisch, was aus Liebe und Güte geschieht, was Freiheit und Frieden schafft und erhält. Und alles, was dem entgegengesetzt ist, gilt als unmoralisch. Diese Moralvorstellung läuft heute zusammen mit den Bemühungen um eine Welt, in der die großen Weltprobleme gesehen und angegriffen werden. Die neue Moral muss sich als hilfreich erweisen in der Ökologie wie in Fragen der Abrüstung, in der Familienplanung wie im Weltwirtschaftssystem. Sie muss eine menschliche Moral werden.

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