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ABC für Christen

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Liturgie

In der griechischen Umwelt, aus der das Wort Liturgie kommt, bedeutet es Dienst, Dienstleistung für den Staat, vor allem alles, was „freiwillig“ geleistet wurde. Auch der Kriegsdienst konnte so bezeichnet werden.
In der Kirche änderte sich die Bezeichnung schnell. Hier verstand man den Gottesdienst als Liturgie. So heißt noch heute der Gottesdienst der orthodoxen Kirche „Heilige Liturgie“. Und darin ist alles eingeschlossen, auch die Predigt und die Feier des Abendmahles.
Auch in der evangelischen Kirche verstand man zunächst den ganzen Gottesdienst als Liturgie. Erst im 18. und 19. Jahrhundert unterschieden viele zwischen Liturgie und Predigt. Und es kam häufig vor, dass die Christen erst zum „Eigentlichen“, zur Predigt, im Gottesdienst erschienen und manchmal gleich nach der Predigt wieder aufstanden, weil die „Schlussliturgie“ ebenso wie die „Eingangsliturgie“ für sie überflüssig war.
Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man den Wert der Liturgie wieder, aber der Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts (Eingangs- und Schlussliturgie) hat sich bis heute erhalten.

In der heutigen Diskussion um den Gottesdienst erkennen wir zwei sich gegenüberstehende Richtungen:
Der Gottesdienst aller christlichen Gemeinden steht in einer langen Tradition. Seine Grundgestalt (Kyrie eleison = Herr, erbarme dich; Gloria = Ehre sei Gott in der Höhe; Credo = Glaubensbekenntnis; Sanctus = Heilig, heilig, heilig ist Gott; Agnus dei = Christe, du Lamm Gottes) findet sich in dem orthodoxen, katholischen und reformatorischen Gottesdienst wieder und muss um der Einheit der einen Kirche Jesu Christi willen festgehalten werden. Die Gebete und Lesungen sollen möglichst unverändert wie in vergangenen Jahrhundert erhalten bleiben. Jede Veränderung wäre schädlich, weil sie die Auflösung einer einheitlichen gottesdienstlichen Form bedeuten würde. Der Gottesdienst jeder christlichen Gemeinde ist Ausdruck des Glaubens und Lebens. Der Heilige Geist führt heute wie in früheren Zeiten zu Erkenntnissen und auch zu gottesdienstlichen Formen. Es gibt keine unveränderbare Grundgestalt. Die lebendige Gemeinde selbst findet für ihren Gottesdienst wechselnde Formen. Hierin drückt sich auch der Reichtum schöpferischen Gestaltens aus. Gemeinden der ganzen Welt, die ja unter verschiedenen kulturellen Bedingungen und Traditionen glauben und leben können nicht genötigt werden, eine bestimmte Tradition zu übernehmen. Darum muss die Gestaltung des Gottesdienstes völlig frei bleiben.

In so gegensätzlicher Weise treten sich beide Anschauungen selten gegenüber. Aber auch in abgeschwächter Form kann es zwischen Vertretern der beiden Richtungen zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Dann ist es nützlich, sich darauf zu besinnen, dass in der Bibel selbst keine Gottesdienstordnungen gibt, die wir nur zu übernehmen brauchten. Zum anderen ist es hilfreich zu erkennen, dass es auch dem Gesprächspartner um die angemessene Form des Gottesdienstes geht. Schließlich aber zeugt eine lebhafte Diskussion über die geeignete Form des Gottesdienstes von mehr gottesdienstlichem Leben als der schweigende Auszug aus dem Gottesdienst überhaupt.

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