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ABC für Christen

G

Gemeinde

Gemeinde oder Kirche?

Wer heute von „Gemeinde“ spricht, muss deutlich machen, ob er die politische oder die Kirchengemeinde meint („Gemeinderat“ und „Gemeindevertretung“). In dem Lied „Jesus Christus herrscht als König,“ (EG 123) singen wir in der sechsten Strophe: „Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine,“ (ohne d!). Diese Schreibweise zeigt noch deutlich den inhaltlichen Zusammenhang: Die Gemeinde ist die Gemeinsamkeit aller, die Gemeinschaft. Eindeutiger ist der Begriff „Kirche“, der vermutlich auf das griechische Wort für Gotteshaus (Kyriakon) zurückgeht. Im Neuen Testament gibt es die beiden Begriffe nicht, sondern den Begriff Ekklesia = die Herausgerufenen. Und dazu gehörten sowohl die Christen am selben Ort, wie die Christen in weiter Ferne. Erst die spätere Unterscheidung von Gemeinde (am Ort) und Kirche (in ihrer Gesamtheit) ließ ein verhängnisvolles Missverständnis aufkommen: Hier sind wir - dort die anderen, die Fremden. Erst in neuerer Zeit sprechen wir von dem Gottesvolk aus Menschen aller Rassen und Klassen, Völkern und Nationen, der Ökumene, der Gemeinschaft aller Christen.

Volkskirche oder Freiwilligkeitskirche?
In der traditionellen Kirche ist die Gemeinde eine in einem umgrenzten Gebiet lebende Gruppe von Christen. Ihr Erkennungszeichen als Gemeinde Jesu Christi ist die Verkündigung des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente (Taufe und Abendmahl). Zu solcher Gemeinde gehören einige Dienste oder Ämter. An ihrer Spitze das Amt der Verkündigung des Wortes Gottes durch einen ordinierten „Diener am Wort“ , ein dazu speziell ausgebildeter und von der Gesamtkirche beauftragter und ihr verantwortlicher Pfarrer. Daneben werden Dienste in der Unterweisung von Kindern und Jugendlichen und diakonische Aufgaben, Ämter in der Kirchenmusik und in der Verwaltung genannt. Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens ist der Gottesdienst. Er wird als die wöchentliche Hauptversammlung der Gemeinde in all ihren unterschiedlichen Gruppen angesehen. In Gruppen, die sich stärker bewusst sind, dass sich die Kirche von der Volkskirche zu Freiwilligkeitskirche entwickelt hat, ergibt sich ein neues Gemeindebewusstsein. Kirche wird als „Vorhut des Reiches Gottes“, als eine neue, verändert lebende und Veränderung bewirkende Gruppe verstanden. Hier ist die Gemeinde eine klassenlose Gemeinschaft, die ihr neues Leben in freier Geschwisterlichkeit unter den Bedingungen ihrer Zeit zu verwirklichen anfängt. Sie folgt ihrem gekreuzigten Herrn nach, indem sie zu leiden bereit ist und Frieden stiftet, sich den rechtlosen und Hilflosen zuwendet und in alledem versucht, Zeichen für die kommende Gottesherrschaft aufzurichten. Sie sucht die Gemeinschaft mit allen Menschen und besonders mit den Christen in allen Konfessionen über die bestehenden Trennungen hinweg.
Kirche für andere

Beiden Grundrichtungen ist gemeinsam, dass sie Kirche als „Leib Christi“ (1.Korinther 12; Epheser 4) verstehen. Als eine Größe, die nicht mit anderen gesellschaftlichen Größen, wie z.B. Parteien und Vereinen, vergleichbar ist. Die Kirche ist für sie nur Kirche Jesu Christi, wenn sie „Kirche für andere“ oder „Kirche für die Welt“ ist. Der Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens ist die Gemeinschaft mit ihrem Herrn und untereinander im Abendmahl. Der verbindliche Eintritt in die Gemeinschaft wird mit der Taufe vollzogen. Die Kirche bedarf einer ständigen Erneuerung, da sie immer in Gefahr lebt, sich zu einer Institution zu verfestigen, das Reich Gottes als das Reich der Freiheit zu verleugnen, sich zu genügen und nur an die eigene Bewahrung zu denken.


Glaube

Zweimal „Glauben“

Ich glaube an Gott. In diesem Satz können wir das Wort „glauben“ auswechseln, etwa so: Ich liebe Gott; ich höre auf Gott; ich gehorche Gott, ich vertraue Gott, ich verlasse mich auf Gott usw. Ganz anders ist der Sprachgebrauch, wenn ich sage: Ich glaube, dass morgen die Sonne scheint. Hier können wir das Wort Glauben auch auswechseln, aber etwa so: Ich vermute, ich halte es für wahrscheinlich, ich hoffe sehr , dass ...
Auf diesen doppelten Wortgebrauch beruhen viele Missverständnisse innerhalb und außerhalb der Kirche. Doch wenn in die Bibel vom Glauben spricht, dann meint sie immer den zuerst dargestellten Wortgebrauch. Darum ist der Gegensatz zum Glauben, wie ihn die Bibel meint, auch nicht etwa „Wissen“, sondern Unglaube, Lieblosigkeit, mangelndes Vertrauen usw.

Christen unterscheiden innerhalb des ersten Wortgebrauchs zwei Möglichkeiten:
Unser Glaubensbekenntnis umfasst viel einzelne Inhalte des Glaubens. Beispielsweise: Ich glaube an Jesus Christus ... empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes... Hier hat es das Missverständnis gegeben, als sei einer nur dann Christ, wenn er diese einzelnen Teile als sein Glaubensinhalt annimmt, also der kirchlichen Lehre in allen Punkten zustimmt. Wer hier zweifelte und seinen Zweifel offen aussprach wurde lange Zeit hindurch von der Kirche ausgeschlossen. Doch ist auch immer wieder betont worden: Christlicher Glaube sei noch etwas anderes, Glaube sei eine Beziehung zu Gott, die den ganzen Menschen umfasst. Glaube sei eine neue Lebensweise, die sich aus der Liebe zu Gott und den Menschen ergibt. Diese neue Lebensweise befreie den Menschen von der Sorge um sich selbst. Durch den Glauben werde der Mensch frei für die Not, die Sorge und die Last anderer Menschen. Indem er sich ihrer annehme, finde er sein eigentliches Leben.
Seinen Glauben leben

Das Ja des Menschen zu Glaubensinhalten und die neue Lebensweise sind aber keine Gegensätze, sondern sie gehören untrennbar zusammen. Ein Christ muss nicht alle Einzelheiten eines Glaubensbekenntnisses früherer Zeiten „glauben“ (für wahr halten, im Sinne der zweiten Wortbedeutung), aber sein Glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wird sich auch in Einzelaussagen entfalten. Solche entfalteten Teilaussagen geben viele Hinweise auf die neue Lebensweise. Dafür ist das gehörte und angenommene Evangelium wichtig. So ist Glaube, der aus dem Hören heraus entsteht, ein Geschenk Gottes, das ich annehmen oder ablehnen kann und ich entscheide Tag für Tag neu darüber, ob ich im Glauben leben will, ob ich mich Gott anvertraue. Hilfen zu diesem Glauben sind mir bereitgestellt: Die biblischen Zeugnisse; die Gemeinde, die mich auch in kritischen Zeiten hält und mir hilft; das Abendmahl, in dem ich immer neu vergewissert werde: Du bist auf dem Weg zu Gottes Ziel mit dir und der Welt.
Das oben zitierte Glaubensbekenntnis ist nur eines unter anderen. Wenn wir es mitsprechen, bekennen wir uns zur Gemeinschaft mit den Christen anderer Kirchen und früherer Zeiten. Es kann uns Anregung geben, unseren Glauben heute neu zu formulieren - auf für das Gespräch mit Andersdenkenden.

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